Der Aussichtspunkt Cabo Girão ist einer der spektakulärsten Spots auf Madeira. Du stehst auf einer gläsernen Plattform, 580 Meter über dem Atlantik, direkt an der höchsten Klippe Europas. Von hier hast du eine atemberaubende Aussicht! Ich war schon bei einem früheren Madeira-Trip einmal dort und als ich diesmal meine Reise plante, dachte ich mir: Warum nicht wieder einen Abstecher zu den Fajãs do Cabo Girão machen? Und genau das habe ich gemacht - gleich zweimal!

Der Aussichtspunkt Cabo Girão ist ein absolutes Muss für jeden Madeira-Besucher. Dennoch suche ich immer nach versteckten Plätzen und Alternativen zu den üblichen Touristenpfaden. Und hier ist mein Tipp: Klar, der Aussichtspunkt Cabo Girão ist völlig beeindruckend - aber wer nicht runter zu den Fajãs geht, verpasst das Beste! Das ganze Erlebnis bleibt einfach unvergesslich.
Am Einstieg zur Seilbahn der Fajãs do Cabo Girão, auch Teleférico do Rancho genannt, pfiff mir der Wind kräftig um die Ohren. Im Gespräch mit dem Mitarbeiter dort habe ich erfahren, dass die Fahrt trotz des windigen Wetters absolut sicher sei. Und ehrlich gesagt wirkte dort unten alles einfach zu schön, um jetzt aufzugeben! Also bin ich in die Seilbahn gestiegen.

Sobald die gläserne Kabine sich in Bewegung setzte, schwebte ich hunderte Meter über dem Boden. Ich muss zugeben, ich bekam eine Gänsehaut und für einen Augenblick blieb mir der Atem weg - so beeindruckend ist der Blick, so schwindelerregend die Höhe. Ich war völlig überwältigt, aber auch ein bisschen nervös.

Vor mir breiteten sich Himmel und Meer aus, und weit unten lagen die Fajãs - kleine, fruchtbare Terrassen, die bis heute für den Ackerbau genutzt werden. Hier wachsen Weinreben, Mangos, Süßkartoffeln, Passionsfrüchte, Tomaten und vieles mehr. Das Mikroklima der Fajãs begünstigt den Anbau: Hier ist es wärmer und feuchter als in den höheren Regionen Madeiras.
Gleich nach dem Aussteigen aus der Seilbahn begegnete ich Senhor Manuel, der schon seit vielen Jahren auf den Fajãs arbeitet.

Während er die Tomatenkisten zum Transport nach oben vorbereitete, sprach er über seine Pflanzen und darüber, wie das Arbeiten hier früher war. Ehrlich gesagt habe ich nicht jedes Wort verstanden - sein Akzent war ziemlich heftig! Manchmal verstand ich nur einzelne Wörter, manchmal gar nichts. Und gerade darin liegt doch etwas Schönes, oder? Im eigenen Land zu sein und trotzdem eine so andere Realität zu erleben.
Voller Enthusiasmus zeigte er mir die erstaunlichen Felder in den Klippen, an fast unmöglichen Stellen, die noch vor einigen Jahren bewirtschaftet wurden. Kaum zu glauben, dass man die Fajãs früher nur mit dem Boot oder über in den Felsen geschlagene, steile Pfade erreichen konnte - und das mit vollen Erntekörben auf dem Rücken.
Mit dem Bau der Seilbahn der Fajãs do Cabo Girão änderte sich alles: Sie machte das Leben der Landwirte viel einfacher und machte die spektakulären Felder endlich auch für Besucher zugänglich. Doch der Wind war richtig heftig, sodass es mir schwerfiel, den Ort in Ruhe zu genießen. Also machte ich mich auf den Weg nach oben. Und trotzdem ließ mich der Gedanke an eine Rückkehr nicht los. Nur zwei Tage später, bei idealem Wetter und ohne Wind, stieg ich wieder in die Seilbahn und fuhr erneut zu den Fajãs hinunter.

Was für ein einzigartiger Ort! An diesem Tag spürte ich einen unvergleichlichen Frieden, der im starken Gegensatz zur schwindelerregenden Klippe stand. Wir hatten April, und trotz des Osteransturms an Touristen sah ich höchstens drei oder vier Leute. Ich streifte durch die Felder, kletterte auf ein paar Terrassen, sog die Aussicht in mich auf und wanderte bis zum Strand.
Die Sonne war herrlich warm, das Wasser vollkommen klar - ein Sprung ins kühle Nass war einfach Pflicht. Ich schlenderte noch ein Stück entlang der Küste und entdeckte auf der linken Seite einen kleinen Sandstrand (auf Madeira sehr selten, da die Strände meist steinig sind). Ich stürzte mich ins Wasser und blieb stundenlang drin, völlig vertieft in mein eigenes kleines Paradies.

Nur die Stille war überall spürbar. Ich trieb im Wasser, den Blick auf die Fajãs und die sie umgebenden Klippen gerichtet- und plötzlich wurde mir klar, wie unglaublich beeindruckend dieser Ort ist. Man denkt an die alten Zeiten, an die Menschen, die hier gearbeitet haben, an die schmalen Wege, die sie nahmen. Gleichzeitig merkt man, wie privilegiert man ist, an so einem versteckten, ruhigen Fleck mitten in der Natur zu sein. Keine Geräusche von Autos, keine Stimmen, keine Baustellen - absolute Ruhe. Nur Natur und ihre Früchte. Es ist wie ein gut gehütetes Geheimnis zu entdecken!

Den Morgen verbrachte ich einfach damit, im Einklang mit dem Ort zu sein - kein Lärm, keine Hektik, kein Plan, nur ich und die Natur! Gehst du zu den Fajãs do Cabo Girão, nimm dir Zeit: Schnapp dir ein Buch und deine Schnorchelbrille und tauche ein in diese Landschaft, die uns vor der überwältigenden Natur klein wirken lässt. Auf den Fajãs scheint die Zeit stillzustehen.